WG-Kosten im Griff
Miete, Strom und Einkäufe: So bleibt es in der Wohngemeinschaft entspannt.
Gemeinsame Kosten klar von privaten trennen
In einer WG laufen viele kleine und große Zahlungen nebeneinander. Du bezahlst vielleicht den Internetvertrag, jemand anderes den Strom und eine dritte Person ständig das Toilettenpapier. Ohne klare Regeln wirkt das schnell ungerecht, selbst wenn niemand absichtlich zu wenig beiträgt. Besprecht deshalb beim Einzug, welche Ausgaben ihr gemeinsam tragt und welche persönlich bleiben.
Typische Gemeinschaftskosten sind Miete, Strom, Internet, Rundfunkbeitrag und Reinigungsmittel. Lebensmittel können dazugehören, müssen es aber nicht. Wenn ihr unterschiedlich kocht, ist eine gemeinsame Grundausstattung oft praktischer als eine vollständig gemeinsame Lebensmittelkasse. Definiert auch, ob Besuch zusätzliche Kosten übernimmt und wie ihr größere Anschaffungen freigebt. Niemand sollte überraschend ein Drittel einer Kaffeemaschine bezahlen müssen, die ohne Absprache gekauft wurde.
Miete nach Zimmergröße nachvollziehbar aufteilen
Unterschiedlich große Zimmer sprechen häufig gegen eine vollständig gleiche Mietaufteilung. Eine mögliche Vereinbarung lautet: Gemeinschaftsflächen werden gleich verteilt, die privaten Zimmer nach Fläche. Das ist ein Rechenmodell, keine allgemeingültige Vorgabe. Ein Balkon, ein besonders helles Zimmer oder eine ungünstige Raumaufteilung können ebenfalls eine Rolle spielen. Wichtig ist, dass du die Regel verstehst und ihr sie gemeinsam akzeptiert.
Ein Beispiel: Drei Menschen wohnen auf insgesamt 90 Quadratmetern. Die Zimmer haben 12, 18 und 24 Quadratmeter; zusammen sind das 54 Quadratmeter. Hinzu kommen 36 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche. Bei 900 € Miete entspricht ein Quadratmeter rechnerisch 10 €. Jede Person übernimmt 12 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche. Daraus entstehen anrechenbare Flächen von 24, 30 und 36 Quadratmetern. Die Mietanteile betragen folglich 240 €, 300 € und 360 €; zusammen genau 900 €.
Anteile und feste Ausgaben richtig einrichten
Für die eben berechnete Mietverteilung kannst du in Zertally Anteile von vier, fünf und sechs verwenden. Insgesamt ergeben sich 15 Anteile. 900 € geteilt durch 15 sind 60 € je Anteil; daraus folgen wieder 240 €, 300 € und 360 €. Alternativ trägst du die vereinbarten Beträge exakt ein. Verwechsle die Anteile nicht mit den ursprünglichen Zimmerflächen, denn in unserem Modell sind die Gemeinschaftsflächen bereits berücksichtigt.
Miete, Stromabschlag und Internet lassen sich als wiederkehrende Ausgaben anlegen. Prüfe vorher, wer tatsächlich bezahlt und für wen die Ausgabe gilt. Nicht jede Kostenart muss denselben Verteilungsschlüssel haben: Die Miete kann nach Fläche aufgeteilt werden, Internet dagegen gleichmäßig. Bei einer Preisanpassung kontrollierst du die entsprechenden Einträge, damit eine überholte Monatsrate nicht unbemerkt weitergerechnet wird.
Eine Haushaltskasse für die laufenden Kleinigkeiten
Eine Gruppenkasse eignet sich für Spülmittel, Müllbeutel und andere gemeinsam genutzte Verbrauchsartikel. Zahlen drei Personen jeweils 25 € ein, stehen 75 € zur Verfügung. Ein Einkauf für 18,60 € reduziert den Bestand auf 56,40 €. Nach einem weiteren Einkauf für 11,40 € bleiben 45 €. Der Verlauf zeigt, welche Einzahlungen und Einkäufe zu diesem Stand geführt haben.
Behandle eine Einzahlung nicht zusätzlich als verbrauchte Haushaltsausgabe. Sonst zählen dieselben Mittel zweimal. Wenn du aus eigener Tasche bezahlst, halte fest, dass es eine persönliche Vorleistung und keine Zahlung aus der Kasse war. Mit einem fotografierten Kassenbon kannst du den Betrag auslesen lassen und anschließend prüfen. Besprecht auch, wann ihr die Kasse auffüllt und ob ein Restbetrag einfach in den nächsten Monat übernommen wird.
Einmal monatlich gemeinsam ausgleichen
Vereinbart einen festen Abrechnungstermin, etwa nach Eingang eurer monatlichen Zahlungen. Prüfe dann mit deinen Mitbewohnern, ob alle Ausgaben erfasst und richtig verteilt sind. Ein kurzer regelmäßiger Abgleich ist angenehmer als eine große Forderung nach einem halben Jahr. Zertally berechnet, wer wem wie viel schuldet, und hält die Anzahl der Überweisungen möglichst klein.
Ergänzen wir das Mietbeispiel um 90 € Strom und 30 € Internet, jeweils gleichmäßig geteilt. Zu den Mietanteilen kommen pro Person 40 € hinzu. Die Gesamtkosten betragen 1.020 €, verteilt auf 280 €, 340 € und 400 €. Hat die erste Person sämtliche 1.020 € vorgestreckt, erhält sie 340 € von der zweiten und 400 € von der dritten Person. Ihr eigener Anteil bleibt 280 €. So stimmen sowohl Gesamtsumme als auch Erstattungen.
Beim Auszug einen sauberen Schnitt machen
Wenn jemand auszieht, vereinbart ein konkretes Abrechnungsdatum. Prüft bis dahin offene Kosten, den Kassenbestand und gemeinsam angeschaffte Gegenstände. Legt außerdem fest, wie ihr mit später eintreffenden Rechnungen umgeht. Eine Stromnachzahlung für die gemeinsame Wohnzeit verschwindet nicht dadurch, dass eine Person inzwischen eine neue Adresse hat. Haltet den vereinbarten Verteilungsschlüssel und einen erreichbaren Kontakt fest.
Kontrolliere außerdem die Beteiligten und Beträge bei wiederkehrenden Ausgaben für die kommende Zeit. Die neue Person sollte nicht versehentlich alte Kosten übernehmen. Ein PDF- oder Excel-Export dokumentiert euren bisherigen Stand. Falls ihr für die neue Besetzung eine neue Gruppe beginnt, übernimmt offene Altbeträge nicht kommentarlos. Sie gehören zu einer klar vereinbarten Schlussabrechnung der bisherigen Bewohner und nicht automatisch zum neuen Haushalt.
Müssen wir alles durch drei teilen?
Nein. Gleichmäßiges Teilen passt nur dort, wo ihr es sinnvoll findet. Bei der Miete können Zimmergrößen zählen, bei gemeinsamem Internet gleiche Anteile. Private Lebensmittel bleiben privat, wenn ihr nichts anderes vereinbart habt. Entscheidend ist eine konsistente Regel pro Kostenart. So musst du nicht bei jedem Einkauf neu verhandeln und kannst trotzdem unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen.
Was passiert bei einer Stromnachzahlung?
Ordne die Nachzahlung zunächst dem Zeitraum zu, auf den sie sich bezieht. Prüft dann eure Vereinbarung für diesen Zeitraum und die damals beteiligten Personen. Trage die Ausgabe mit einem verständlichen Kommentar ein. Falls sich eure Zusammensetzung geändert hat, besprecht die Aufteilung ausdrücklich. Eine Nachzahlung ist keine Einladung, stillschweigend einen neuen Schlüssel auf frühere Monate anzuwenden.
Wie erinnere ich freundlich an einen offenen Betrag?
Schreib konkret und ohne Vorwurf: „Für unseren letzten WG-Monat sind noch 34 € offen. Kannst du sie bitte bis Freitag ausgleichen?“ In Zertally kannst du freundlich per E-Mail erinnern, höchstens einmal täglich, oder den Betrag über WhatsApp teilen. Frag bei Verzögerungen nach, statt mangelnden guten Willen zu unterstellen. Manchmal fehlt nur eine Information oder ein passender Zahlungstermin.
